| Nov. 15th, 2006 @ 01:23 pm eine Geschichte der menschlichen Logik |
|---|
üblicherweise verlasse ich jeden Morgen das Haus um 20 vor 6 um in den Bus um 5:45 zu steigen, der ebenfalls üblicherweise zwischen 5:50 und 6:01 erscheint. Da ich etwas grösser von Gestalt bin, kann ich mich leider nicht auf jeden x-beliebigen Platz setzen, sondern brauche z. b. einen von den 4er Plätzen (entschuldigung hier nochmal: ich habe nur jeweils 1 Kniegelenk!). Idealerweise ist aber genau dieser bereits von einer anderen Person, ihrem Gepäck und ihrem Ego besetzt, im ansonsten leeren Bus. Auch wenn mir davon schlecht wird, eine kleine Fahrt gegen die Fahrtrichtung werd ich schon überleben. Eine viertel Stunde später erreiche ich dann mit Haltungsschäden den Bahnhof, wo ich aussteigen möchte. ...wenn das gehen würde, denn vor der sich grade öffnenden Bustür steht eine ungeduldig wartende Menschenmenge, die nicht bereit ist, auch nur einen Schritt von ihrem "erkämpften" Stehplatz zu weichen, ausser um in den Bus zu steigen, was aber nicht geht, da ICH ja in IHREM Weg stehe. Habe ich mich dann durch diese Masse gezwengt, kann ich endlich ungehindert den Bahnsteig betreten. Im Prinzip ist nicht viel los, da kurz zuvor 2 Züge den Bahnhof verlassen haben. Ich suche mir also den besten Stehplatz aus, denn die Sitzbank ist bereits von Leuten besetzt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass ihre Handtasche einen angenehmen Sitzplatz hat. Also stelle ich mich dort auf den Bahnsteig, wo ich später einsteigen möchte und am wenigsten den zu erwartenden Fluss von Bahnfahrern stöhre. Da ich meistens 10 Minuten zu früh da bin, füllt sich der Bahnsteig auch so gleich. Irgendjemand stellt sich dabei üblicherweise DIREKT vor mich. Wären wir unbekleidet hätte man das als "Bitte nimm mich von hinten! LOS!" zu verstehen. Als nächstes stellen sich mindestens zwei weitere Leute so elegant schräg vor mich, dass der Menschenfluss sich zwangsweise ändert und direkt DURCH mich hindurch führt. Also lass ich mich noch 10 Minuten herumschubsen, bevor die Bahn mit selbem Fahrziel aber 4 Minuten früherer Abfahrtzeit das benachbarte Gleis zusammen mit meiner eigenen Bahn einfährt. Ich kann schon sehen, dass es mal wieder ein Zug mit den unangenehmen separaten Sitzen ist. Da der frühere Zug aber Verspätung hat, steigen alle Leute, die diesen benutzen wollten in meinen Zug ein, bis nicht einmal mehr ein Stehplatz frei ist. Selbstverständlich kommt, sobald ich doch noch einen Platz gefunden habe, die logische Durchsage, dass der andere Zug den Bahnhof früher verlässt (ist ja auch logisch, da dieser 3 Haltestellen auslässt, demnach 10 Minuten schneller ist und es keine Ausweichstrecke gibt). Also stürzen die Leute möglichst brutal wieder aus dem Zug und quetschen sich in den besagten. Kaum sitze ich dann sicher und bequem, kommt irgendein breitschultriger Kerl und setzt sich direkt NEBEN mich, als wären wir ein schwules Pärchen. (Hier muss ich mich wohl dafür entschuldigen, dass ich mir nicht morgens schon die Schultern brechen kann, damit ich weniger Platz einneme!). Dem folgt noch eine mittelalte, aber sehr von sich überzeugte Dame, die sich schräg mir gegenüber niederlässt. Im folgenden Bahnhof setzt sich dann noch eine vierte Person zu uns; mir gegenüber. Für gewöhnlich ist es die Person im ganzen Zug mit den längsten Beinen. Man sollte erwähnen, dass zu diesem Zeitpunkt von den vier Plätzen neben uns nur maximal einer besetzt ist. Spätestens wenn die Ansage des Zielbahnhofes (ca. 10 Minuten vor Ankunft dort) erfolgt, stürmen die Leute an die Zugtür. Da wir immernoch mindestens 5 Minuten Verspätung haben und ich meine Anschlussbahn noch erreichen und dafür einmal den ganzen Bahnhof durchqueren muss stehe ich auch schon einen Augenblick vor der Ankunft auf... ca. 5 Minuten davor, um genau zu sein. Wenigstens wird es wohl schnell gehen, wenn die Leute sich schon so an die Zugtür drücken. Allerdings wundert es mich, dass sie nicht merken, dass wir heute auf der anderen Seite des Zuges aussteigen; auf der mit dem Bahnsteig nämlich und nicht auf der mit den Gleisen! Nachdem die Durchsage erfolgt ist, auf welcher Seite sich der Ausstieg befindet, werden irgendwann auch die Türen geöffnet, nachdem man eingesehen hat, dass die Leute direkt an der richtigen Tür doch zu schwach dazu sind. Also stürmen die Leute nur so aus dem Zug, um gleich darauf alle nebeneinander auf der Treppe nach oben fast einzuschlafen. Hauptsache, niemand überholt den anderen! Wenn ich dann doch noch rechtzeitig und blaufleckig auf meinem Bahnsteig ankomme stelle ich mich auf den selben leeren Platz, an dem ich immer stehe. Kaum rollt die Bahn ein, drängeln sich die Leute so nah wie nur irgends möglich an die Bahnsteigkante. Sie scheinen dem fahrenden Zug einfach nicht nah genug kommen zu können. Egal wie dicht ich schliesslich vor der Tür stehe, immer steht plötzlich jemand vor mir. ...scheinbar haben es heute manche Leute doch noch wirklich eilig. Die Türen gehen auf... die Leute stehen in den Startlöchern und ... Peng! Da ist eine kleine Lücke im Strom der herauskommenden Menschen! Holt sie euch!! Der Menschvor mir drengt mich (mangels offensichtlichem Platzmangel durch herauskommende Leute) schmerzhaft zurück. Jetzt stehen 3 Leute vor mir. Dann ist es soweit, der letzte Fahrgast hat den Zug verlassen und abgesehen von den 3 Leuten vor mir drengen sich auch noch 2 weitere in den Zug... gleichzeitig! Ich hab es zwar eilig, aber der Zug wird mir nicht in den nächsten 2 Sekunden vor der Nase wegfahren. Also lass ich die 5 Leute in den Zug rennen und bleibe einfach direkt hinter ihnen, während ich meinen Wunschplatz anvisiere. DAS war ein Fehler, denn diese gestressten, es eilig habenden Menschen haben es plötzlich scheinbar nicht mehr eilig und bleiben rat- und planlos abrupt stehen. Leider kann ich diese Besinnungsphase aber nicht einfach nutzen um mich schon zu setzen, denn sie versperren exakt so lange den Durchgang, bis die Leute, die die nächste Tür benutzt haben, alle in Fahrtrichtung liegenden Sitze weiträumig besetzt haben bis auf einen einzigen, den (zufällig) ich in Beschlag nemen wollte. Da Man so freundlich war, den Langschläfern vor mir die Entscheidung zu erleichtern, wo sie sitzen "möchten", quetsche ich mich also in die Sitzlücke zwischen dem schlafenden Alkoholiker mit dem Urinfleck auf der Hose und dem nach Streit Ausschau haltenden Skinhead. Die Fahrt zu meinem Zielort verläuft erstaunlich ruhig, wenn auch etwas gequetscht. Es folgt ein anstrengender Tag voll Demütigungen, Missverständnissen und zunemender Migräne. Ich bin froh, als ich abends endlich wieder in den ersten Zug richtung Heim steigen darf. Leider errwische ich ausgerechnet den Wagen, in dem sich eine "fremdländische" Familie mit heftigtem Familienstreit breit macht. Glück gehabt. Die Familie steigt nächste Station aus. Dafür steigen 15 schnatternde (und ebenfalls zu 90% aus "Fremdländern" bestehende) und zweifelsfrei gewaltbereite Schüle ein. Nach dem 20 "Digga, ischhabdiealdevollgefiggt,digga,weissu,altä,digga!" schaffe ich es abzu schalten, bis mich 3 Stationen weiter die lieblichen Andere-Kultur-Klänge eines MP3-Handys aus dem Dösen reissen und ich bereits von den Besitzern der Musikquelle mit Augen angestarrt werde, die deutlich fragen "Digga, hastduProblemmmitgeileGängstamafiaHiphop,digga,duscheissdeutsche Sau?!". Also Arschbacken zusammen und durch bis zu Zielhaltestelle. Zielhaltestelle. Umsteigen in den Regionalzug nach Hause. Glücklicherweise finde ich einen freien Platz zwischen Klo und Grundschulausflugs-kindern. Egal, hauptsache nach Haus! Der Zug, der im Prinzip genau so ankommt, dass ich bequem noch den Bus erreiche und in dem ich zufällig grade sitze, fährt natürlich ohne Durchsage 10 Minuten später los. Naja. Kein Problem, normalerweise holt der Fahrer die Zeit wieder raus. ...ist nur die Frage, wie schnell der Zug fahren darf, denn selbst nach 10 schleicht der Zug im Schneckentempo vorwärts. Als wir durch einen Bahnhof fahren (ohne anzuhalten *gsd*) halten wir allerdings komplett an. ...schleichen bis zum nächsten Bahnhof weiter, halten an, schleichen weiter, halten an, schleichen weiter, halten an... ups. hier muss ich raus! Aber das ist kein Grund zur Panik, denn bei diesem Zug wird in der Regel vergessen die Türen zu öffnen. Nach weiteren 5 Minuten Wartezeit dürfen wir raus. Nur 15 Minuten Verspätung. Bus weg. nagut dann lauf ich eben die Viertelstunde nach Hause, anstatt 15 Minuten auf einen Bus zu warten, der ebenfalls 15 Minuten braucht, bis er mich 5 Minuten von zu Hause entfernt aussetzt.
Und zu Hause geht der Tag dann erst los...
...und diese Geschichte dürft ihr dämlichen bahnfahrenden Spinner euch jetzt endlich auch mal zu Herzen nemen!!! |
|  |